Die Stimmung im Saal bei den Vorträgen ist gerade sehr besonders. Durch die lange Pause freuen sich die Menschen, dass wieder etwas stattfindet.

Aus aktuellem Anlass haben wir unseren campusA-Initiativkreis zur gegenwärtigen Lage in den verschiedenen Bildungseinrichtungen am campusA, drei Fragen gestellt. In diesem Beitrag befragte Andreas Kehl (Koordinationsbüro) Alexandra Handwerk, Dozentin im Erzieherseminar.

A.Kehl: Wie beeinflusst die aktuelle Situation die Entwicklungen in Ihrer Einrichtung.

Alexandra Handwerk: Das Rudolf-Steiner-Haus musste mit dem Beginn der Corona Maßnahmen vollständig geschlossen werden, ab Mitte Mai konnte schon mal die Bibliothek wieder öffnen und es gab wenigstens die Aussicht, dass ab Juni vielleicht wieder Veranstaltungen bis 100 Personen erlaubt sein würden. Darauf haben wir vertraut und ein Not – Programm bis Sommer zusammengestellt.

In diesem Jahr feiert die Anthroposophische Medizin ja ihr 100. Jubiläum. Es war so viel für Stuttgart geplant, was alles abgesagt werden musste. Wir hatten nur eine kleine Vortragsreihe geplant, allerdings mit wirklich tollen Rednern, die den medizinischen Impuls der Anthroposophie wirklich authentisch vertreten können. Diese Redner haben wir schon in der Pause gefragt, ob sie sich die Mittwoche bis Sommer freihalten können. So konnten wir am 17. Juni die Reihe, die mittlerweile 10 Vorträge umfasst, starten. Natürlich hatten wir auf ein großes Publikum gehofft. Hundert Menschen sind dafür dann doch sehr wenige. Also haben wir uns entschlossen, Yair und Justyna zu fragen, ob sie die Vorträge filmen können. Dann hat Sebastian in einer historischen Stunde der Anthroposophischen Gesellschaft Stuttgart einen Youtube Kanal eingerichtet. Inzwischen sind die ersten zwei Vorträge online. Ihr findet sie am leichtesten auf der Website vom Rudolf Steiner Haus Stuttgart. Da beide inzwischen weit über 1000 mal angeklickt wurden und wir auch schon 80 Abonnenten haben, wir außerdem jede Menge positive Rückmeldungen haben, fühlen wir uns bestärkt, dass dieser Schritt jetzt dran war.

Die Stimmung im Saal bei den Vorträgen ist gerade sehr besonders. Durch die lange Pause freuen sich die Menschen, dass wieder etwas stattfindet. Diese Freude schafft eine tolle Hör – Atmosphäre, Dankbarkeit, Freundlichkeit, gegenseitiges Interesse und viele kleine schöne Begegnungserlebnisse.

A.K.:Welche Chancen oder Gefahren sehen Sie in dieser Entwicklung.

A.H.: Unsere Sorge, dass vielleicht dann keiner mehr selbst kommt, sondern nur noch den Film anschaut, erweist sich bisher als unbegründet. Für alle Vorträge haben wir einen maximal vollen Saal, selbst die Warteliste ist meist übervoll. Bisher haben wir es geschafft, dass wir niemanden nach Hause schicken mussten.

Die Menschen sind sehr verantwortungsbewusst, wir müssen uns keine Sorgen machen, wie wir die Disziplin der Teilnehmer stärken können. Das ist sehr erleichternd.

A.K.:Was kann das für die Zukunft bedeuten. (Prävention, notwendige Entwicklungsschritte) vielleicht auch über die Einrichtung hinaus.

A.H.: Wir haben uns mit viel Freude an das Herbstprogramm gemacht. Auch da werden wir filmen und dann am Ende des Jahres die Ergebnisse und Erfahrungen auswerten. Plötzlich müssen wir auf alles was stattfindet mit ganz fremden Augen schauen und uns fragen, ob das auf Youtube erscheinen kann. Das ist eine tolle Perspektive.

Eine sehr schöne Begegnung haben wir mit campus B the change, deren Impulse wir sehr ernst nehmen und mit denen wir eine Klausur zu neuen Wegen der Ausbildung am kommenden Wochenende haben werden. Dort wird auch zentrales Thema die Frage nach jetzt notwendigen Entwicklungsschritten sein.

Alexandra Handwerk, Dozentin im Erzieherseminar, hält Vorträge, Seminare und Fortbildungen und steht in der Mitverantwortung für die Anthroposophische Gesellschaft in Stuttgart. Sie ist Mutter von vier Kindern.