„Bildung endet nicht, wenn die Schulglocke läutet.“

Zusammenfassung des 1. Forum-Treffens zur bildungsART 19.

Am 24.4.18 fand das erste Forumtreffen zur bildungsART 19 in der Cafeteria des Rudolf Steinerhauses statt. Das gut besuchte Forum sollte zunächst dazu dienen, eine erste gemeinsame Annäherung an das Tagungsthema für nächstes Jahr – “Bildung“ – zu unternehmen und durch eine sehr offene Herangehensweise eine große Perspektive zu ermöglichen.

Zuerst beschäftigte sich ein jeder der Teilnehmer einige Zeit selbst mit der Frage, was für ihn Bildung bedeutet, um die eigenen Gedanken dazu anschließend im Dialog auszutauschen. In einer längeren Einheit wurden die Beiträge dann in ihrer Vielfältigkeit im Plenum zusammengetragen und ergänzend besprochen.

Sehr schnell wurde deutlich, wie groß das Thema Bildung ist und welche Themen unmittelbar angrenzen oder sogar immanent dazugehören. Die Menschenwürde beispielsweise, aber auch die Frage nach dem “ganzen“ Menschen klangen oft an und so zeichnete sich im Austausch ein Bildungsideal ab, dass sich primär einem Menschenbild zugewandt fühlt, welches einsieht: Bildung endet nicht, wenn die Schulglocke läutet – und damit über das reine vermitteln von standardisierten schulischen Inhalten weit hinausgeht.

Welche Grundlagen braucht eine menschenwürdige Bildung, die verantwortlich und frei mit den Menschen umgeht? Wie stehen Bildung und Lernen miteinander im Verhältnis? Woher kommt und was bedeutet das Wort Bildung überhaupt und wie hängt es mit dem in der Waldorfpädagogik so geläufigen Begriff der Bildekräfte zusammen? Diese und weitere Fragen wurden offen bewegt und regten zum eigenen Nachdenken an.

Bevor die Auseinandersetzung dann in eine abschließende Runde mündete, brachte Ruprecht Fried von der Freien Hochschule in einem längeren Beitrag noch einige Gedanken ein. Er sprach über den Unterschied von Mensch und Tier und wie der Mensch im Gegensatz zu den tierischen Lebewesen nicht festgelegt ist darauf, was er zu werden hat. Und trotzdem sei unser Bildungssystem im Grunde darauf angelegt, Berufe zu reproduzieren, biete aber wenig bis keinen Platz für freie Entfaltung dem Wesen und der Bestimmung des jeweiligen Individuums nach. So stellte er die Frage, woran sich die Bildungsinhalte zu orientieren hätten und entwarf ein Bild, das auf der einen Seite mit der Frage “Was ist der Mensch?“ aufwartet und auf der anderen Seite mit der Frage “Was ist die gegenwärtige Zeit?“. Im ausgeglichenen Verhältnis dieser beiden Fragen zueinander habe sich ein Bildungsideal lebendig zu entwickeln und ständig an die Erkenntnisse und Herausforderungen der Zeit anzupassen.

Zum Abschluss wurden die Eindrücke dann nochmals bewegt und ausgetauscht und neue Fragen formuliert. Ein Widerspruch wurde deutlich, der sich darauf bezog, dass die Frage nach dem Wesen des Menschen ja niemals erschöpfend geklärt werden kann und das Menschenbild, an dem sich die Bildung orientieren soll, daher immer in Bewegung und dadurch stets offen und lebendig gehalten werden muss. Als Schlussbild ergab sich die lebendige Wechselwirkung und gegenseitige Befruchtung des Menschenbildes und der Menschenbild(ung).

Das nächste Forumreffen wird am Dienstag den 12.6.18 um 17:30 Uhr wieder in der Cafeteria im Rudolf Steinerhaus stattfinden. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen das Tagungsthema gemeinsam etwas zu präzisieren und sich eventuell auch schon genauere Gedanken zur Form der bildungsART 19 zu machen.