Die Individualität der Motivation

Eine Nachforschung von Marie Lenschow.

Die Motivation ist etwas, das jeder Mensch immer wieder aufs Neue und ganz individuell in sich finden muss. Um mich der Antwort auf die Frage anzunähern, was genau sich dahinter verbirgt und wie man sie finden kann, habe ich eine kleine Nachforschung betrieben. Ich stellte Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Alters und Berufs folgende Fragen:

1. Wie kannst du für dich Motivation in zwei Worte definieren?
2. Was braucht es für dich, um Motivation zu finden?
3. Was demotiviert dich am meisten und wie kannst du dagegen angehen?

Kerstin, 33, Modedesignerin
1. Einfach machen.
2. Wer sucht, hat schon verloren.
3. Schlechtes Wetter. Mir hilft es dann zu warten, bis es besser wird, oder es eben einfach trotzdem zu machen.

Camilla, 24, Studentin (Kommunikations­de­sign)
1. Antrieb, Ziel.
2. Ich leide unter Konzentrations- / Motivationsschwierigkeiten. Um Motivation zu finden, brauche ich vor allem Dopamine, da diese im Gehirn Botenstoffe des Antriebs sind.
3. Ich fühle mich gehemmt, wenn ich eine Aufgabe direkt nach dem Essen angehen muss. Nach einer kleinen Pause und einer kleinen Glückssteigerung – z.B. durch ein Stück Schokolade – kann ich wieder Motivation finden.

Michael, 29, Azubi (Akustiker)
1. Intrinsisches Handeln.
2. Ich muss ehrliches Interesse an einer bestimmten Sache haben und einen Sinn darin sehen, diese zu tun. Wenn ich Freude gegenüber dieser Sache verspüre, habe ich auch schnell die nötige Motivation.
3. Keine Fortschritte oder nicht die gewünschten Ergebnisse zu sehen, also auch eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber dem Ergebnis. Im Prozess verkrampft an einem unnötig hohen Qualitätsanspruch festhalten und mich dadurch selber ausbremsen. Dann muss ich in kleinen Schritten anfangen, sobald ich dann drin bin, geht es leichter. Es hilft mir auch, den Prozess an sich zu genießen, als mir viel Stress wegen eines zu hoch gesteckten Ziels zu machen.

Felipe, 29, Teamleiter
1. Disziplin, Glaube.
2. Vor allem braucht es für mich Gerechtigkeit, aber auch eine gewisse Sicherheit. Ich muss sehen, dass mein Tun ein – im Idealfall erfolgreiches – Ergebnis hat. Es muss allerdings auch nicht sofort das beste Ergebnis sein, solange ich weiß, dass ich durch Übung besser werde.
3. Was mich am meisten demotiviert, ist Ungerechtigkeit, kombiniert mit Gier. Wenn ich sehe, dass jemand komplett rücksichtslos agiert, schlägt mir das sehr auf das Gemüt. Wenn ich z.B. bei einem Volleyball-Match gegen einen Schummler verliere. Ich kann dagegen nur angehen, indem ich dann die Distanz zu diesem Menschen suche.

Alina, 24, Studentin (Medizin)
1. In Disziplin, Freude.
2. Um Motivation aufzubringen, brauche ich etwas das mich begeistert, mich antreibt. Diese Form nenne ich die innere Motivation. Wenn das nicht klappt, brauche ich tolle Menschen, die mich dabei unterstützen und mir auch mal in den Hintern treten. Das wäre dann externe Motivation.
3. Am meisten demotiviert es mich, wenn ich den Überblick verliere, gefühlt alles zu viel wird. Dann versuche ich mich auf das Essenzielle zu besinnen. Die To-Do’s zu ordnen, dann ganz stupide eins nach dem anderen zu erledigen und mich immer nur auf eins zu konzentrieren. So werde ich nicht von der Menge erdrückt.

Paul, 25, Kellner
1. Sinn geben.
2. Um Motivation zu finden, braucht es für mich Sensibilität, den Moment für das Notwendige. Den Mut zu klaren Gedanken oder impulsivem Handeln. Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein.
3. Prokrastinatorische Gedanken- und Verhaltensmuster, unharmonische äußere Settings oder Verhaltensweisen. Den Willen zu kanalisieren und vor allem Kommunikation helfen. Immer. Auch mit sich. Generell gegen das Nicht-motiviert-Sein hilft, sich Inspiration und Vorbilder zu suchen.

Patricia, 38, ohne festen Beruf
1. Bedürfnisorientierter Handlungswunsch.
2. Um Motivation zu finden, braucht es für mich die Fähigkeit zum Erkennen eines Bedürfnisses und den Wunsch, es durch eine bestimmte Handlung zu befriedigen.
3. Selbstzweifel und Unsicherheit demotivieren mich am meisten. Dagegen könnte ich angehen, indem ich lerne, meine Bedürfnisse besser wahrzunehmen und mir selbst mehr zu vertrauen.

»If you had started doing anything two weeks ago, by today you would have been two weeks better at it. « – John Mayer

Und jetzt bist Du an der Reihe:

I. Aufgabe: Beantworte die Fragen selbst. (Was macht der Vorgang der Beantwortung mit Dir? Kannst Du etwas beobachten?)
1.………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
2.………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..
3.………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..

II. Aufgabe: Mache Dir Gedanken über etwas, was Du eigentlich tun solltest, worauf Du aber keine Lust hast. Woran liegt diese Unlust?

III. Aufgabe: Motiviere Dich selbst dazu, genau das gerne zu tun. Nimm Dir danach einen Moment Zeit, um zu reflektieren und zu verarbeiten. Tausche Dich anschließend mit einer anderen Person darüber aus. Worauf hat er oder sie keine Lust? Wie hätte er oder sie die Aufgabe bewältigt?

Wie ein ganz persönlicher Schatz schlummert Motivation immer in jedem von uns. Zum Glück läuft eine Schatzsuche immer darauf hinaus, fündig zu werden.


Marie Lenschow Bachelor der Waldorfpädagogik, studiert derzeit Eurythmie am Eurythmeum Stuttgart.