Ernährungsbewusstsein als  Weg in die innere Balance

Ein Bericht von Mia Mahruki.

Gesundheit und innere Balance – Themen, die uns in der heutigen Zeit sehr beschäftigen. Es ist zu einer Art Trend geworden, sich gesund zu ernähren, Sport zu treiben und so das von den Medien suggerierte fit and healthy body image zu erreichen, das auf allen medialen Plattformen wie Instagram, Facebook, YouTube etc. verbreitet wird. Wie das bei Trends und klar vorgegebenen Richtungen oft so ist, zeigt sich auch hier eine deutliche Gegenbewe­gung: Während der eine fleißig das Ziel des gesun­­den Lifestyles verfolgt, kommt es beim anderen zu einer Art Trotzreaktion: Er oder sie ernährt sich extra ungesund und vermeidet jegliche kör­perliche Anstrengung, um ganz klar zu zeigen: Nicht mit mir!

Ich möchte hier meine Gedanken und Ideen zum Thema Gesundheit und innere Balance teilen und gleich vorwegnehmen, dass es mir nicht darum geht, gegen irgendeine Richtung oder Gruppe zu hetzen. Ich möchte lediglich ein Bild davon vermitteln, was sich in meinem Kopf abspielt, und gern dazu anregen, sich ein eigenes Bild zu machen. Das Thema der inneren Mitte beschäftigt mich schon sehr lange!
Wie schaffen wir es denn, unsere innere Mitte zu finden, und was ist diese überhaupt? Gibt es eine Faustformel für das Glücklichsein? Bevor ich aber weiter darauf eingehe, möchte ich das Thema der gesunden Ernährung vertiefen.

Wie definieren wir diese eigentlich? Iss das, worauf du Lust hast; lass die Kohlenhydrate weg; viel Obst und Gemüse; achte auf deine Kalorien; vegane Ernährung ist der Schlüssel zum Erfolg; Menschen sind Fleischesser; iss nichts mehr nach 18 Uhr; ein ausgewogenes Frühstück kurbelt den Stoffwechsel an. Ich bin mir sicher, dass wir alle mindestens einen die­ser Sätze schon einmal gehört haben. Im Vergleich zueinander sind diese recht paradox: Sollen wir nun Fleisch essen, vegetarisch leben oder durch vegane Ernährung rank, schlank und gesund werden? Was ist der richtige Weg? Die genannten Ratschläge können ganz schön verwirrend sein und uns damit ein Gefühl der Unsicherheit vermitteln: Wie schaffe ich es denn nun, mich gesund zu ernähren und dazu noch innerlich ausgewogen zu sein?
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Schiebe diese paradoxen Sätze beiseite und höre auf deine innere Stimme! Was sind deine Bedürfnisse? Mit welcher Ernährungsform geht es dir gut? Was macht dich glücklich?

Für mich hat diese Überzeugung sehr viel mit innerer Ausgewogenheit zu tun.

Ich finde es wichtig, dass die Art, wie ich mich ernähre, nur von mir selbst kommt. Nur ich persönlich kann entscheiden, wie ich mich ernähren möchte. Allerdings spricht natürlich nichts dagegen, sich inspirieren zu lassen; dies sollte aber nicht darauf hinauslaufen, dass mir eine bestimmte Ernährungsform aufgedrängt wird und ich schließlich nur aus schlechtem Ge­wissen nachgebe. Es ist an sich gut, wenn mir jemand die Augen öffnen möchte, aber die letztendliche Entscheidung sollte wirklich aus unserer eigenen Überzeu­gung heraus ge­schehen. Für mich hat diese Überzeugung sehr viel mit innerer Ausge­wogenheit zu tun. Ich denke, wenn wir mit uns selbst im Reinen sind, können wir z.B. auch besser mit Stress­situationen umgehen.

Natürlich ergibt sich das Mit-sich-selbst-im-Reinen-Sein in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen. Dazu bedarf es schon etwas mehr Geduld. Aber wenn wir das geschafft haben, merken wir, dass uns solche Sätze be­züglich der richtigen Ernährungsform nicht mehr zu sehr verwirren. Ich meine das jetzt nicht so, dass unsere innere Entwicklung für immer auf diesem Stand bleibt. Eventuell wird es in Zukunft das eine oder andere Ereignis geben, das unsere innere Mitte ins Wanken bringt, sodass wir uns unter Umständen sogar selbst verlieren. Das kann durchaus passieren; wichtig ist nur, dass wir uns wiederfinden.

Die innere Mitte zu halten, bedeutet für mich Arbeit. Wenn ich denke: Jetzt habe ich sie ge­funden, jetzt kann mir nichts mehr passieren, dann liege ich vermutlich falsch. Meiner An­sicht nach muss ich kontinuierlich daran arbeiten, meine innere Mitte zu stärken und wachsam sein, was um mich herum geschieht, damit ich sie nicht verliere.
Meine persönliche Formel zum Glücklichsein ist eine Kombination aus vielseitigen Leiden­schaften und Interessen, die aber alle auf der Grundlage des Mit-sich-selbst-im-Reinen-Sein auf­gebaut sind. Natürlich war das nicht immer so und ich habe auch oft damit zu kämpfen, die innere Ausgewogenheit zu halten, da ich eher zum »Ganz oder gar nicht« neige, aber ich habe gemerkt, dass es mir persönlich gut tut, wenn bei mir alles im Gleichgewicht ist und ich nicht zu einseitig oder zu radikal werde. Was für unsere Gesellschaft die Formel zum Glück ausmacht, kann und will ich nicht sagen, da jeder für sich selbst entscheiden muss, was ihn wirklich glücklich macht und wie wir es schaf­fen, innerlich stark zu sein. Ich denke, das spielt im Endeffekt alles zusammen.

Die Art, wie wir uns ernähren, nimmt Ein­fluss darauf, wie wir uns fühlen. Wenn wir unsere innere Mitte gefunden haben und da­ran arbeiten, sie zu halten, wirkt sich das auf das persönliche Glück aus. Sind wir innerlich ausgeglichen, kommen wir mit verschiedenen, auch schwierigen Situationen ganz anders zurecht, als wenn wir uns ständig Gedanken darüber machen müssen, was wir eigentlich wollen, was die anderen von uns denken etc. Die innere Mitte stärkt unser Rückgrat und unser Selbstbewusstsein, denn wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, fühle ich mich in der Regel auch wohl in meinem Körper und in meinem Geist. Klar kann das auch tagesformabhängig sein, mal fühlen wir uns mehr wohl, mal weniger. Jeder von uns hat etwas, womit er nicht so ganz zufrieden ist, sei es eine bestimmte Kör­perstelle oder ein bestimmter Charakterzug.

Die innere Mitte stärkt unser Rückgrat und unser Selbst­bewusstsein, denn wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, fühle ich mich in der Regel auch wohl in meinem Körper und in meinem Geist.

Trotzdem: Wenn wir unsere innere Mitte gefunden haben, werden wir im Großen und Ganzen mit uns selbst zufrieden sein und eine ganz neue Kraft entwickeln, mit den Hürden des Lebens umzugehen – davon bin ich überzeugt!

Mia Mahruki studiert am Eurythmeum im 4. Studienjahr Eurythmie.