Transhumanismus und Bildungsarbeit - Gedanken zum letzten campusA Dozententreffen

Anlässlich des Themenschwerpunkts „Bildung“ bei der bildungsART 19 im Februar 2019 veröffentlichen wir regelmäßig kurze Interviews mit unterschiedlichen Menschen zu drei Fragen. In diesem Beitrag haben wir Milan Tannert befragt, Dozent am Eurythmeum Stuttgart.

Mein Name ist Milan Tannert und ich arbeite am Eurythmeum Stuttgart sowohl als Dozent, zur Zeit in der Lauteurythmie, als auch im Bühnenensemble. Ich bin seit Beginn meiner eurythmischen Laufbahn an diesem Ort, habe hier mein Grundstudium absolviert, den pädagogischen Masterkurs, die künstlerische Bühnenausbildung und bin eben jetzt fester Bestandteil des Kollegiums.

1. Was ist/bedeutet Bildung für Sie?

Für mich hat Bildung zwei Richtungen. Einerseits das Bilden eines Verhältnisses zur Welt und andererseits das Bilden eines Verhältnisses zu mir selbst und schließlich das Schlagen einer Brücke vom eigenen Inneren zur Umwelt. Das aneignen von Kenntnissen äußerer Zusammenhänge, deren Einordnen und kritisches Hinterfragen gehören für mich ebenso zur Bildung wie das Entdecken der eigenen Ideale und die Verwirklichung der persönlichen Ziele. Letztlich ist es das ernsthafte Auseinandersetzen der eigenen Person mit der Welt. Und Wie der Begriff schon sagt, ist Bildung ein nie abgeschlossener Prozess.

2. Was hat Sie persönlich in besonderem Maße gebildet?

Ich muss ehrlich sagen, dass mich hauptsächlich meine Zeit in der Waldorfschule gebildet hat. Mit dem Erwerb der allgemeinen Hochschulreife hat man sich doch ein gewisses Paket an Allgemeinwissen, sowie die kognitive Fähigkeit, sich Wissen anzueignen erworben und ein Interesse an der Welt geweckt. Überhaupt ist das Interesse eine Hauptvoraussetzung dafür, dass Bildung erworben werden kann. Mein Interesse lenkte sich vor allem dem künstlerischen Bereich entgegen. Bildende Kunst, aber auch Poetik und Musik. Wenn man in seiner beruflichen Spezialisierung immer die Verknüpfung von dem, was man tut zur Welt findet, vereinseitigt man nicht und erhält den inneren Bildungsprozess.

3. Was wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung des Bildungssystems?

Ich wünsche mir, dass die Politik die Notwendigkeit erkennt das derzeitige Bildungssystem grundlegend zu ändern. Die Probleme des deutschen Bildungssystems sind bekannt. Ich wünsche mir bundesweit Gesamtschulen, wo Schüler erst viel später in leistungsstark und leistungsschwach getrennt werden. Ich wünsche mir ein Ende des zweckmäßigen Aneignens von abfragbarem Wissen und das Erwecken des Interesses an den Dingen. Unterricht sollte lebendig sein und Spaß machen, mit weniger Leistungsdruck. Im Prinzip wie in der Waldorfschule. Das derzeitige Schulsystem hängt Kinder aus sogenannten sozialschwachen Familien ab. Warum sich seit der Pisa-Studie 2001 fast nichts geändert hat ist mir ein großes Rätsel.

Das Interview führte Ingolf Lindel,
(Studierender am Eurythmeum, Mitglied des campusA-Koordinationsteams)