Motivation

Ein Bericht von Johanna Sophia Schad.

Als ich gefragt wurde, ob ich ein paar Zeilen zum Thema Motivation schreiben möchte, fiel mir auf, wie wenig aktive Gedanken ich mir dazu bisher gemacht habe. In den letzten zwei Monaten tauchten in verschiedenen Gruppengesprächen jedoch immer wieder Fragen zu diesem Thema auf, und so schien mir dieser Beitrag eine schöne Möglichkeit zu sein, mich selbstständig mit der Bedeutung von Motivation auseinanderzusetzten. Im Folgenden erhebe ich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder wissenschaftliches Vorgehen, sondern sehe es als kleinen Anfang einer Gedankensammlung zu Phänomenen und Erlebtem.

Die Bedeutung des Wortes Motivation ist auf das lateinische Verb movere, also »bewegen« oder »antreiben« zurückzuführen. Ich verspüre einen Drang ins Tun zu kommen. Auch das Wort »Motiv« ist enthalten, was immer einen Wunsch, einen tiefen Grund oder auch ein Ziel beschreibt. Diesen Wunsch oder Grund kann ich entweder in mir selbst erfüllen, oder aber das Ziel liegt außerhalb von mir und kann durch ein konkretes Ereignis erreicht werden. Das Streben des Menschen bekommt durch die Motivation eine ganz eigene Färbung. Sie hat mit Emotionen zu tun. Das Wort Motivation beschreibt so die Gesamtheit der Beweggründe oder Einflüsse, die zur Handlungsbereitschaft führen. Dabei geht ein motiviertes Verhalten über die reine Befriedigung von Grundbedürfnissen hinaus. Auf der einen Seite nehme ich einen starken Motivationsmangel heute wahr, eine fehlende Bereitschaft, sich aus freiem Willen und mit extra Zeiteinsatz zu engagieren. Andererseits erlebe ich eine unglaublich große Offenheit und Bereitschaft des Einzelnen, seinen Mitmenschen zu helfen. Sich auf letzteres zu konzentrieren ist mein großes Anliegen.

Motivation entsteht in einem vertrauensvollen Raum. Gelingt es, eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sich jeder mit seinen Fähigkeiten einbringen kann, fühlen sich die Menschen leichter dazu angeregt und ermutigt, mitzuwirken. In diesem Zusammenhang scheint mir der Aspekt der Fülle an Aufgaben und Möglichkeiten, sich zu engagieren, wichtig zu erwähnen. Kleine und große Aufgaben, spontane und langfristige Initiativen, verantwortungsvolle sowie kreative Bereiche, einmalige Projekte oder alltägliche Kleinigkeiten: All das und noch so vieles mehr wartet auf Motivation unsererseits. Die Ausgangspunkte, die Interessenfelder und die Belastbarkeit sind bei jedem von uns völlig anders. Die grundsätzliche Handlungsbereitschaft hat nicht bei allen das selbe Maß. Ob man sich meldet oder drückt oder auch wirklich nicht kann, egal aus welchen Gründen, kann jeder nur vor sich selbst ehrlich beantworten. An dieser Stelle kann jeder nur bei sich selbst anfangen und vielleicht sogar ein »Motivationsvorbild« werden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wo Motivation beginnt. Je nachdem wie Menschen veranlagt sind, beginnt Motivation ganz bei ihnen selbst oder durch äußere Anregung. Die einen handeln aus eigenem inneren Antrieb am effektivsten. Sie haben ein großes persönliches Interessenfeld und leisten gerne einen Beitrag zum Ganzen. Die anderen brauchen einen gesteckteren Rahmen von außen und haben oft das Motiv der Zugehörigkeit. Eine unerschöpfliche Motivationsquelle ist die Bereitschaft, sich gerne für eine Sache einsetzen zu wollen, Sinn in ihr zu sehen und aus ihr selbst Kraft zu schöpfen, sowie Freude an der Arbeit.

Eine Studentin beschrieb die Situation an den campusA-Seminaren mit den Worten, dass es eben in den Institutionen, in denen wir Studenten das Glück haben zu studieren, eben einfach ganz normal ist, sich viel einzubringen, Aufgaben zu verteilen oder anzunehmen. Mit anderen Worten gehört Mithilfe in unseren Kreisen einfach dazu.

Ein Student brachte den Vergleich: Motivationsmangel kommt von Informationsmangel. Der amerikanische Manager Lee Iaccoca schrieb einmal: »Die einzige Möglichkeit, Menschen zu motivieren, ist die Kommunikation.« Diese Aussage trifft für mich einen sehr wesentlichen Punkt. Fühlen sich die Menschen in einem ganzen Prozess mitgenommen und erfahren sie von den Bedürfnissen der Anderen, dann sind die allermeisten gerne bereit, ihre Kräfte mit einzubringen – wenn alle verstehen: Wir sitzen im selben Boot und jeder muss mal beim Rudern helfen, damit wir vorankommen. Und ebenso ist es wichtig, dass es einen Steuermann gibt, der den Überblick hat. Entscheidend hierbei ist, dass es nicht ständig Anweisungen von außen gibt. Diese würden den eigenen Antrieb nämlich sehr verringern, da die Selbstbestimmung des Einzelnen verloren geht. Geht der Steuermann behutsam und freilassend mit den Helfenden um, sind diese motiviert, weil sie spüren, dass das Einbringen ihrer Eigenaktivität erwünscht ist, sodass sich ein Wir-Gefühl zwischen denen, die um Hilfe gefragt haben, und denen, die helfen bildet. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt beim Thema Motivation ist für mich persönlich das anschließende Wahrnehmen der getanen Arbeit. Ein Danke, ein high five, ein »Wir haben es geschafft!« würdigt die getane Arbeit.

Ein großes und entscheidendes Geheimnis liegt sicher in den Worten: Motivation durch Regelmäßigkeit! Rhythmus und Gewohnheiten schaffen. Dies gilt vor allem für Alltagsangelegenheiten. Sodass beim selben Thema nicht immer die gleichen Diskussionen auftreten.

Der Kernpunkt für mich persönlich liegt neben dem der Regelmäßigkeit darin, dass Gruppen wie der Studentenrat, der Studentenfonds oder auch das Kernteam selbst so viel Anziehungskraft ausstrahlen, dass in den Anderen sofort Begeisterung und Neugierde geweckt wirde. Und bei nicht spannenden Aufgaben, die aber erledigt werden müssen, trotzdem die Bereitschaft aufkommt, mit anzupacken, ganz einfach aus der Überzeugung heraus, dass alle Beteiligten ihr Bestes geben werden. Mit Musik, Singen und Tanzen und viel guter Laune kann fast alles ein Fest werden. Um solch eine Anziehungskraft entstehen zu lassen, müssen die Mitglieder sich ihrer eigenen Beweggründe dafür, Teil der Gruppe geworden zu sein, bewusst sein, und darüber hinaus in gemeinsamen Gesprächen die Ideale und die Gründungsimpulse der Initiativen lebendig halten.

Rausgehen, sich bewegen und die Sonne genießen, sich mit anderen Menschen austauschen und mit der Zeit mehr und mehr her­ausfinden, was die eigenen Punkte im Leben sind, für die man sich einsetzen möchte und bei denen man unterstützend helfen kann. Die genannten Dinge bedeuten für mich, bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen, motiviert zu sein. Zu verstehen, dass es nicht egal ist, ob ich etwas tue oder nicht, sondern dass getane oder nicht getane Arbeit sowohl in mir als auch im Außen einen großen Unterschied machen. Anstrengung und Freude können dabei Hand in Hand gehen. Ich möchte mit einem Wort des Dalai Lama schließen: »Ist unsere Motivation stark und heilsam genug, können wir alles vollbringen.«


Johanna Sophia Schad Eurythmistin, tätig am Eurythmeum Stuttgart.