(R)evolution im Zoo!?

Eine Kurzgeschichte von Milon Müller.

Sehr geehrtes Fräulein Keksberg,

ich hoffe, Sie können humorvolle, nach tief-philosophischen Gründen suchende, liebevoll-kritische Freunde dazu finden, die weder eigene Lesermühen beim »Puzzeln« noch folgendes Geheimnis scheuen: Die erste Stufe der Dreiheit ist die Ironie, die Zweite das Sakrament – Pardon, der Sarkasmus! Die dritte: einfach grotesk

(R)evolution im Zoo!?

Es war einmal ein aufgeblasener Elefant, der Teröteröt machte – es gibt Menschen, die »überfahren« einfach Elefanten, und das sogar trotz Einschränkungen – die eigentlich schützen sollten… Echt? Die Ansteckungsgefahr an Bildschirmen, überhaupt in Onlineräumen ist übrigens immens und doch kaum beachtet. »Na, dann haben wir ja den Rest vom Schützenfest!«. Es geht um die Tiere, um das Tierwohl! Aber am Ende des Tages kommen doch immer die Falschen ins Gefängnis. Auch bei Sonne, Hitze und gefährlichen Pandemien. Selbstverständlich haben viele damit kein Problem. Natürlich erst dann, wenn man sich an die Regeln hält. Daher: »Bitte Maske aufsetzen!«… So klingt es scharf von hinten.

Warum tragen die Elefanten keine? Sind wohl doch nicht so klug! Nein, ich denke: viel klüger! Überhaupt alle Tiere. Sie kennen in der Regel alles, was sie brauchen. Die Natur hat sie perfekt ausgestattet. Warum wissen wir von ihrer Gefangenschaft in Zoos und geben ihnen kleine Gehege? Warten wir darauf, dass die Tiere eine Revolution starten? Vielleicht gehört alles zur Evolution? Ist ein Löwe überhaupt ein richtiger Löwe, wenn er (ich) nicht das erleben kann, was einen Löwen ausmacht, z.B.: rennen, springen, sich anschleichen, seine geballte Muskelkraft einsetzen, vor dem Menschen flüchten oder sich wehren, wenn man ihm zu nahe kommt?

Geld ist leider – wie so oft – der Grund, warum man »weniger ist mehr« falsch versteht. Ja, für hohe Preise, die trotzdem nicht ausreichen für die alltäglichen Kosten eines kompletten Zoos. Wäre es nicht toll, wenn jeder Zoo sich auf eine Gruppe von Tieren spezialisieren könnte und ihnen dann möglichst große Lebensräume böte? Gut fände ich, wenn beispielsweise Elefanten mindestens die halbe Zoofläche erhalten. Bestimmt würden sie sich diese mit gewissen anderen Tieren, wie in freier Wildbahn, friedlich teilen können. Wenn ich als Besucher gar nicht das Tier in seinem Element erleben kann, woher will ich dann wissen, ob ich all die Tiere nun wirklich gesehen habe?

Für Menschen in Gefangenschaft interessieren wir uns zum Glück auch kaum. Zum Glück? Also, zumindest wollen wir sie nicht begaffen. Lieber die Menschen auf Laufstegen oder vor der Fernsehkamera. Aber sind das nicht Menschen, die auch – nur seelisch-geistig – gefangen sind?

Wenn ich Ihnen, Madame, einen Berg an Keksen auftischen dürfte, dann doch nicht, weil Sie alle aufessen sollen. Wo wäre dann Ihre Freiheit? Überhaupt, es kommt doch nicht auf das Was an, vielmehr sollten wir das Augenmerk auf das Wie richten. Wie wollen wir oder die Tiere leben? Wie machen wir die Evolution mit? Wie die Revolution?

Als ich überlegte, welches die dominantesten Tiere sind, kam ich auf die »aufrichtigsten« und gleichzeitig gefährlichsten unseres Planeten. Wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf, wo diese zu finden sind: Stellen Sie sich einfach mit dem Rücken zu einem Tiergehege. Oder stellen Sie sich vor, dass die Evolution beim Thema Menschsein erst den Menschen geschaffen hat und dann die Möglichkeit, sich zu einem »Affen« zu entwickeln.

Natürlich, als Retter in der Not oder als Zucht- und Erhaltungsstation sind Zoos durchaus professionell bemüht und gut. Aber sollten wir als reiches Land nicht noch mehr die Möglichkeiten nutzen zugunsten der Tiere? Jedenfalls kam mir die Frage, welcher eigentlich der größere Zoo ist: der innerhalb der Zäune und Gitter oder der außerhalb?

Ist die Menschheit nicht ein einzig(artig)er Zoo? Bunt, vielseitig, manchmal affig und beschämend im Verhalten, zum Teil gefährlicher als jedes Raubtier und trotzdem ängstlicher als jede Ameise oder Spinne – erst recht im Verhältnis zur Größe. Klar, auch auf uns »Tiere« im Makro-Zoo muss man aufpassen – inklusive Grenzen setzen.

Ist die Menschheit überhaupt erwachsen? Dann wären wir jedoch kindisch in vielem, finde ich. Da kommt mir noch ein essenzieller Gedanke hergeflogen – wie kann der eigentlich so frei sein? Ist das Denken zum Freisein geboren? Müssen wir es erst gebären? Egal, nun zu dem Gedanken! Gäbe es auch noch so viele Kinder, Kinder bekommen, ja das ist eine Herausforderung! Auch Heiraten! Warum eigentlich das alles? Nur, damit die Evolution weitergehen kann? Oder braucht es eine Revolution dagegen? Wie wär’s, wenn man einfach davon ausgehen würde, dass wir schon alle miteinander verbunden sind? Dann könnte man, falls man Bedarf zum Heiraten verspürt, zuerst sich bewusst scheiden lassen und, falls man diese Prüfung bestanden hat, dann heiraten. Also erst Streiten lernen und dann Vertrauen haben für ein »Happy End«. Andersherum ist doch blöd. Alle wollen es nicht und bei jedem Zweiten geschieht es mindestens einmal im Leben, dass die Scheidung der krönende Abschluss wird und man nachher nicht mehr eine Verbundenheit denken kann, geschweige denn will. Was wollen wir genauso wenig? Eisbärenschwund! Achtung: Wespenangriff! Man reagiert hysterisch oder auch gelassen. Bei letzterem sticht nichts – so meine Devise. Was ist gut und was ist böse? Mal generell: weiße oder schwarze Seite? Immer dieses Entweder-oder! Ich bin für die Mitte, auch dann, wenn man wählerisch rüberkommt und aus der Masse wortwörtlich »heraussticht«. Man hat so oder so immer die Konsequenzen zu tragen.

Ist die Luft echt schon raus? Nur in der vorderen Reihe, so meine Vermutung. Hinten auf den billigen Plätzen ist wohl alles in Ordnung. – Auch wenn es aus dem Kontext fällt, Ernährung bringt natürlich auch eine schwere Entscheidung mit sich. Also bezüglich dessen, was man essen soll und will.

Zuletzt: Wohin mit der Zukunft? Berge? Meer? Amsterdam? Drogen? Nein, niemals rauchen! Doch lieber Landschaft? Abstrakt? Oder einfach ab ins Museum? Hauptsache wir vergessen nicht, den Rasen morgens zu sprengen. Und bitte keine Feuerlöcher. Psychoanalyse nötig?

Rechts die Frösche, links die Unken alles tief im Schlaf versunken. »Alles vorbei!«

Lieben Gruß,
Ihr treuer Freund

PS: Wären wir nur aufgewacht… Einmal, da sandte Michael einen Vorboten. Ein Drache, der diesen in Schach zu halten hatte, hieß Coro… »Nein, bitte nicht dieses Wort!« Aber wer war dieser Vorbote? Hätte es gereicht, den Drachen in Schach zu halten? Viele hatten die Ansicht, man müsse ihn gleich schachmatt setzen. Nimmt man sich da nicht eine Chance? Ohne Ringen keine Wachsamkeit. Ja, kein Aufwachen nötig. Oh weh… !


Milon Müller studiert seit September 2019 Eurythmie am campusA und ist Mitglied bei ›b the change‹.