Umchangen – Wie geht das?

Eine Szene von ›b the change‹.

Mr. X vom campusG[eheimdienst] inter­viewt Mrs. Y, Mitglied einer Studenteninitiative, die im Anschluss an die ›bildungsArt‹ im März 2020 auf dem campusA entstand.

Mrs. Y in Gedanken: Und plötzlich war es soweit: keine Grenzen in der Zeit, keine Vorgaben und keine Lösungen. Die Kulisse bitte nicht verändern! Ich möcht’ damit unbedingt weitermachen. Alles immer neu, wieder und wieder aus freier Entscheidung heraus. Ich will aktiv sein, schöpferisch! Keine Muster, kein Trott! Und Austausch mit den Leuten, die für etwas brennen, die mehr wollen, die es anders wollen. Tun! Tun! Tun! Am liebsten sofort!

Mr. X tritt auf Mrs. Y zu und reißt sie aus ihren Gedanken: Guten Tag! Ich habe ein paar Fragen zu Ihrem Engagement auf dem cam­pusA. Sie können mir sicher ein paar Antworten geben – sofern Sie sich erinnern können. Welche Möglichkeiten fühlten Sie eigentlich zu Beginn Ihres Studiums hier am Campus?

Mrs Y: Das Fragen Sie doch am besten die neuen Studenten im Herbst. Ich habe bestimmt schon manche Ideale und Hoffnungen wieder vergessen oder verdrängt. Keine Ahnung mehr!

Mr. X: Welche Möglichkeiten kamen Ihnen in den Sinn, als Sie Teil der neuen Initiative wurden?

Mrs. Y: Wir könnten, ganz im anthroposophischen Sinne und der Ganzheitlichkeit dienend, eine wertvoll werdende Ergänzung sein und Verwandlungsprozesse unterstützen. – In Gedanken: Eigentlich schon eine Revolution! – Laut: Also theoretisch. Praktisch… Mhm… Das ist die entscheidende Frage!

Mr. X: Wenn Sie sich in die Perspektive eines Dozenten hineinversetzen könnten, was würden Sie nun von der Studenteninitiative erwarten, befürchten und erhoffen?

Mrs. Y in Gedanken: Vorsicht, da entwickelt sich Dynamit! Wahrscheinlich sagen sich manche auch: Ach, wär ich doch nur nochmal jung, dann würde ich denen mal wirklich beibringen, was es heißt, revolutionär zu sein. Stattdessen muss ich mein Provokationspotenzial in diesen elendigen Konferenzen versuchen zurückzuhalten. – Laut: Das möchten wir in einem lebendigen Austausch auf Augenhöhe gemeinsam zur Sprache kommen lassen und bewegen. Wir möchten nicht vorurteilend sagen, was unsere Dozenten befürchten oder sich erhoffen. Wir wollen sie selber hören.

Mr. X: Wenn Sie ein neuer Student am campusA wären, wie würden Sie so eine Initiative wahrnehmen?

Mrs. Y: in Gedanken: Vielleicht sind die auch schon auf ’nem anderen Planeten. Die werden Dozenten und dann sind sie ja schon auf dem Holzweg oder nicht mehr zu retten. Jetzt glauben sie noch an Veränderungen. Aber bald sind sie der Konservatismus selber, oder vielleicht auch: Hey, ich schau mal vorbei, vielleicht lerne ich da jemand normales, nettes und naja, vielleicht auch jemand Hübsches kennen. –
Laut: Ich hoffe, dass man uns als Chance und lohnende Anlaufstelle ansehen kann, um sich einzubringen, besonders in die Gestaltung des Studiums oder der Ausbildung.

Mr. X: Haben Sie schon einen Namen für Ihre Gruppe?

Mrs. Y: Wir nennen uns ›b the change‹.

Mr X: ›b the change‹ – Was macht ihr? Wie geht das? Wie soll ich denn als Einzel-Mini-Erdenmensch wandelbar sein?

Mrs Y: Um sich zu wandeln, muss ich ja eine Verbindung haben – zu mir, zu meinen Mitmenschen, zu dem was ich tue und was um mich geschieht. Dann ist da ein Verhältnis, welches ich beliebig gestalten kann. Ich kann zum Beispiel sagen: Ich möchte mehr Gespräche! Austausch! Mit den Menschen die mich etwas lehren, meinen Mitstudierenden: »Hey, wo kommst du eigentlich genau her? Was denkst du hierzu und was beschäftigt dich?« Na und dann – alles Unmögliche versuchen, um das Mögliche wahr zu machen! – Damit es letztlich das gibt, was Ihnen da fehlt oder noch nicht behagt, oder zumindest ist es ein Anfang. Zu einer Vielfalt des zusammengesetzten Ganzen kommen wir, wenn ein Jeder sein Privat-Innerliches, seine Sicht auf die Dinge, seine Wünsche und Gedanken, Fragen, Anliegen und Erkenntnisse teilt. Dann sind wir zusammen Spiegel für den Hügel, für uns und die Welt, dann können wir zusammen fühlend denken und wollend fühlen, was es zu wandeln gibt, und damit Wellen schlagen. Noch Fragen? Kommen Sie doch vorbei, zu einem unserer Verwandlungsgespräche. Alle sind herzlich willkommen, mit uns das Menschsein zu verstehen und in die Welt zu bringen –
Oder einfach uns beobachtend, einen Tee zu schlürfen. Wellen schlagen, Aktion, Neugierig probieren, Denken und Fragen, Erfahrungsräume schaffen, Lebendigkeit verkörpern!

Mr. X: Wenn Sie einem neuen Studenten Ihre Initiative vorstellen, was würden Sie ihm in Kürze sagen?

Mrs. Y innerlich singend auf eine bekannte Melodie: b the change… and come to us, or let it be, let it be, b the change and come to us or let it be, let it be, let it be, let it be let it be… Nein, Spaß beiseite! – Laut: Puh! Man könnte so viel erzählen, aber es kommt sicher darauf an, wer und vor allem wie sie oder er vor mir steht. Aber es ist auch noch nicht geklärt, wie wir auf neue interessierte Menschen reagieren. Wir wollen natürlich auch den Anfangsimpuls erstmal weiter zur Blüte bringen lassen, bevor man von anderen Blüten träumt. Vielleicht sind wir bisher nur ein Samenkorn, das noch Schutz braucht.

Mr. X: Was liegt Ihnen auf dem Herzen, was Sie noch mitteilen möchten?

Mrs. Y: Ich kann Ihnen die Verköstigung bei unseren Treffen auch sehr empfehlen. Manchmal wird sogar für einen gekocht. Und man kann Dozenten beobachten, wie sie spielen. Ach ja, dafür lohnen sich vor allem die Kernteam-Treffen für die nächste ›bildungsArt‹ im Frühjahr 2021.

Mr. X: Herzlichen Dank!

Mrs. Y: Wer waren Sie eigentlich überhaupt?

Mr. X: Sie verstehen mich schon. Bin gerade journalistisch unterwegs. Es ist toll, dass sich solch eine Initiative gebildet hat. Aber da Sie ja wohl noch nicht so auf die modernen technischen Kommunikationsmittel zu setzen scheinen, dachte ich, dass ich Sie mündlich frage, statt zu warten, bis es mal ein Video oder einen Film von Ihnen gibt. Man ist wirklich interessiert, glauben Sie mir! Ich meine, man muss heutzutage wachsam sein bei dieser Fülle von medialen Nachrichten, wo man ja echt überflutet wird von Unwichtigem. – Innerlich weiterredend: Aber noch bin ich in eher stillerer Mission unterwegs. Wir gehen natürlich »behutsam« mit Ihren schönen neuen Nachrichten um … Daher können Sie entspannt und unbesorgt bleiben. Also wundern Sie sich nicht, wenn Sie nichts mehr von mir so schnell hören.

Mrs. Y: Na, jetzt würde mich schon interessieren, für wen Sie eigentlich schreiben, bzw. mich interviewen?

Mr. X: Ich unterhielt mich vor kurzem mit einem Kollegen über Ihre Initiative und da dach­te ich, ich frag mal am besten direkt bei Ihnen nach. – In Gedanken: Wir wollen Sie doch nicht gleich… Nein, nur so’n bischen umchangen, damit Sie uns besser gefallen. – Laut: Ich muss mich nun aber wirklich beeilen, eine Konferenz ruft. Aber weiterhin gutes Gelingen!


b the change ist eine campusA Studierenden­intiative, die im Anschluss an die ›bildungsART‹ im März 2020 entstand. Die Szenerie wurde von Natascha Wörl, Stephanie Hemmen, Tabea Stockhammer und Milon Müller geschrieben.